In den letzten Tagen lief im Zusammenhang mit Stuttgart21 immer wieder eine Meinung durch meine Twitter-Timeline. “Jetzt wurde abgestimmt, die Abstimmung ging verloren, also verschwindet gefälligst vom Bahnhof.” (Wobei das noch die harmloseste Äußerung war).
Das ist für mich irgendwie: “Ich bin gegenüber jedem tolerant, solange er meiner Meinung ist.”
Es gibt, kurz zusammengefasst, 3 Gründe, warum man demonstrieren sollte:
Ich bin der Meinung, das jeder immer und überall für oder gegen alles demonstrieren darf und soll. Solange man sich an Recht und Gesetz hält, also nicht gerade für Massenmord demonstriert oder aktiv Gewalt einsetzt.
Mal einfach formuliert: Auch wenn ich mit 10 Millionen Anhängern in Berlin gegen schlechtes Wetter und für weicheres Klopapier demonstrieren will, dann ist es mein Recht. Und absolut niemand hat das Recht, mir dieses Recht abzusprechen. Jeder darf seine Meinung dazu abgeben, aber niemand darf mich davon abhalten.
Jeder kann sich vor den Bahnhof stellen und gegen die Demonstrationen demonstrieren. Kein Problem. Aber bei so tollen Argumenten wie “Das passt mir nicht, also hört gefälligst auf damit” – da fang ich sofort an, Transparente zu malen.
Auch das Argument “Der Bau ist doch jetzt aber demokratisch legimitiert” zieht hier nicht unbedingt. Wenn man es so sieht, dann dürfte man nie gegen ein Gesetz der demokratisch gewählten Regierung demonstrieren. Denn die Regierung ist demokratisch legimitiert. Also sind auch alle Handlungen der Regierung demokratisch legimitiert.
Punkt ist: Das Demonstrationsrecht ist für mich neben dem Recht auf freie Meinungsäußerung ein Grundpfeiler einer Demokratie. Und nur, weil es jemanden nicht passt, das hier oder dort Menschen ihre abweichende Meinung in die Welt herausposaunen, wird man dieses grundlegende Recht nicht aufgeben.


