Gegenüberstellungen

Ich geb ja gleich am Anfang zu, das ich keine Ahnung von Banken oder Gemeindefinanzen habe. Aber ich will hier einfach mal zwei Artikel auszugsweise untereinander stellen, die in meinem Kopf einfach nicht aneinander vorbei kommen:

Klamme Kommunen erhöhen Steuern und Gebühren
… Mehr als jede zweite Kommune (55 Prozent) plant, Leistungen zu reduzieren oder abzuschaffen, etwa bei der Straßenbeleuchtung oder der Kinder- und Seniorenbetreuung


Bonus-Debatte bei der Commerzbank – „Bei solchen Zahlen schlackern mir die Ohren“

… Goldman Sachs etwa beschenkt seine Investmentbanker mit rund 20 Milliarden Dollar. …Das Gehalt der Vorstände ist derzeit auf 500.000 Euro begrenzt. Es gibt Kolleginnen und Kollegen in der Bank, die insgesamt mehr verdienen. Wir zahlen schließlich Marktpreise.

Haltet mich für einen verkappten Kommunisten oder für einen realitätsfernen Spinner, aber meiner Meinung nach stimmt hier irgend etwas nicht mehr. Banken werden mit Steuermilliarden gerettet, weil sie „systemrelevant“ sind. Das System, also der Staat und die Bürger, muss massive Einbußen hinnehmen. Damit das Bankensystem, das sich schon lange von der Realität abgekoppelt hat, in aller Ruhe reales Geld für irreale Gewinne in einem irren Finanzsystem auszahlen kann. Als Belohnung für die Leute, die ganze Staaten abgezockt und an den Rand des Ruins gebracht haben.

Sorry, aber das bekomme ich nicht mehr in meinen Kopf.

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4 Kommentare zu “Gegenüberstellungen

  1. Sieh es gelassen. Die unersättliche Gier der sogenannten Finanzwirtschaft wird den finalen Kollaps einfach ein wenig beschleunigen, denn was gerade passiert ist wie ein Aderlass an der Aorta und der Patient wird daran zugrunde gehen. Je schneller es geht umso besser für die, die den Restart des Systems organisieren müssen.

    Das Lustige dabei ist ja, dass bei der letzten Weltwirtschaftskrise 1929 das Informationsmonopol noch in den Händen derer war, die das teilweise zu verantworten hatten. Heute kann keiner mehr die ungeliebte Wahrheit so einfach unter den Teppich kehren und irgendwann wird auch der letzte geBILDete Mensch erkennen, wie sehr er vom System an der Nase herumgeführt wurde.

    Ägypten ist überall, auch hier. 🙂

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    • Ich bin mir nicht sicher, ob der langsame (oder auch schnelle) Kollaps der derzeitigen Finanzwirtschaft nicht doch wieder, wie eben auch 1929, viele Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut stürzen würde.

      Ich glaube, wenn so etwas passiert, wird es sehr viel schneller gehen, aber auch wesentlich mehr Schäden verursachen.

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  2. Tja, kraft meiner Profession kann ich hier ja gar nicht anders, als Stellung dazu zu beziehen. Du zeigst hier zwei Probleme auf, die man vergleichen kann. Aber nicht muss.

    Problem „Kommune“: Da sitzen sehr oft Verwaltungsfachwirte im gehobenen Dienst, die nur einen sehr einge-/be-schränkten Blick haben. Die erschreckt und manchmal eben auch falsch reagieren, wenn die Haushaltskasse nicht mehr stimmt. Die – wie in der Politik eben so oft üblich – nicht den Mut für unbequeme Entscheidungen haben. (Oft fehlt aber neben dem Mut auch die Unterstützung durch Fraktion(en) und / oder Bürgerschaft, die eben auch nicht weiter als bis an ihren eigenen Tellerrand sehen). Dass es anders geht und sich „anti-zyklische“ Entscheidungen auszahlen, dafür gibt es durchaus Beispiele. (Ich such da gerne mal, erst letztens war da wieder was in der Presse. Unter anderem hat auch einer meiner Nachbarorte eine Pro-Kopf-Verschuldung von um die 20 EUR.)

    Problem „Banken“: Da kann man in der Tat viel darüber schreiben. Und da wird das Bild, das die Öffentlichkeit sieht (sehen will?) immer dominieren. Und natürlich kriege auch ich einen Hals, wenn ich sehe, dass Vorstände oder „Personen mit besonderer Funktion“ ein 10 – XXX-faches meines Jahresbruttos nach Hause tragen, einen Großteil gewichtiger Entscheidungen aber fleißig nach unten delegieren. Man will ja nicht den eigenen Kopf in der Schlinge sehen…

    Ich behaupte allerdings, dass im Bankensystem ganz andere Dinge schief laufen, als die Zahlung überzogener, nicht (oder kaum) vertretbarer Gehälter. Wer vermittelt denn heute noch Werte, die dazu führen würden (oder könnten), dass in unserer Gesellschaft anders mit „Menschen und Moneten“ umgegangen wird? Wie sollen dazu erforderliche „althergebrachte“ Tugenden sich denn noch in den Köpfen verankern? Woher kommen Berufsethos und Rückgrat?

    Hach, nein, das Thema führt für mich zu weit – ich höre lieber auf. Was ich sagen wollen würde, kann und will ich (hier) nicht sagen. Ich denke mir meinen Teil. Und werde irgendwann meine Memoiren schreiben. Und bis dahin an meinem Rückgrat leiden.

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    • Ich will diese zwei Artikel gar nicht in eine Relation setzen, es ist eine mehr zufällige Auswahl. Aber mir sind mehrere Dinge richtig sauer aufgestossen:

      Ein Vorstand einer Bank, die mit Steuergeldern gerettet wurde (und damit aus der Marktwirtschaft entfernt wurde) darf/will „Marktpreise“ bezahlen. Klingt irgendwie absurd. Die Nachteile des Marktes (Bankrott) durch den Staat ausgleichen lassen, aber die Vorteile des Marktes in Form von Boni behalten.

      Und 20 Mrd $ für Investment-Banker – viel Geld für Leute, die anderer Leute Geld Gassi führen.

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