Warum ich Zeitung lese

Ich bin ja eher der typische, internetsüchtige Computernerd. Nach 8 Stunden vor dem Arbeitsrechner komme ich nach Hause, packe mein iPad aus und lese weiter. Wenn ich nicht den Laptop anwerfe. Und trotzdem: Ich lese auch jeden Tag Zeitung. Klingt seltsam, ist aber so. Und ich möchte hier einerseits erklären, warum, und andererseits auch aufzeigen, wie ich mir die Zeitung in Zukunft vorstelle.

Warum ich Zeitung lese.

Nichts ist ja so alt wie die Zeitung von heute. Sämtliche abgedruckten Agenturmeldungen gingen gestern schon durch das Internet. Der Leitartikel ist sowieso schon von der Realität überholt. Also warum totes Holz kaufen? Ganz einfach: Für die Kommentare, Leserbriefe, Lokalnachrichten und die „Dritte Seite“, den Hintergrund-Berichten. Die Kommentare geben mir die Meinung eines Journalisten, der sich mit dem Thema beschäftigt hat. Die Leserbriefe sind Grundlage der Meinungsbildung. Man glaubt gar nicht, wie sehr man manchmal anderer Meinung sein kann. Die Lokalnachrichten betreffen mich natürlich direkt. Und die „Dritte Seite“ bringt wenige, aber ausführliche Hintergrund-Berichte. Genau diese Dinge finde ich (bis auf die „Leserbriefe“) eher selten im Internet.

Wie ich mir die Zeitung in Zukunft vorstelle.

Die Darstellungsform ist mir ziemlich egal. Auf dem Tablet, auf dem Rechner, auf Plastikfolie, an die Wand projiziert. Hauptsache halbwegs lesbar. Viel wichtiger sind mir die Inhalte. Da ist mein harter Kritikpunkt bei den „heutigen“ Tageszeitungen. Ich möchte allen Zeitungsmachern einmal eine ehrliche Frage stellen: Würde mit Ihrer Zeitung heute noch einmal der Watergate-Skandal aufgedeckt? Würden Sie Ihren Reportern genug Zeit geben, eine echte Geschichte ausgiebig zu ermitteln, nachzuhaken, aufzudecken? Ich denke, nicht eine aller deutschen Zeitungen würde so etwas heute noch schaffen. Und genau das ist meine Kritik.

Als aktuelles Beispiel möchte ich den Skandal um Dioxin in Hühnereiern nennen. Schnell in den Schlagzeilen, einige Artikel um die ach so wichtigen Ministerinnen-Aussagen, und Schluß. Aha. Also ist alles, was mich als Verbraucher interessiert, weg gefallen. Was ist mit dem Lieferanten passiert? Steht der jetzt wegen Körperverletzung vor Gericht? Ist der Betrieb für immer geschlossen? Werden die verseuchten Maschinen entsorgt? Ist der Lieferant des „Maschinenöls“, der an einen Futtermittelfabrikanten geliefert hat, aus dem Verkehr gezogen? Ist die Verwendung von dioxinhaltigen Ölen generell verboten worden? Sind die lautstark geforderten Gesetze verabschiedet und angewendet worden? Wurden die Kontrollen verschärft? Kann solch ein Skandal morgen wieder passieren?

All das sind Fragen, die mir meine Tageszeitung nicht beantwortet. Viel lieber berichten die Zeitungen über so wichtige Dinge wie „Was redet ein Grüner mit schwarzen Unternehmern“. Was mich so richtig überhaupt nicht interessiert.

Wenn die Zeitungen nicht schnell lernen, was die Leser wollen, dann hilft das Leistungsschutzrecht auch nicht mehr. Denn die Zeitungen werden schneller vom Markt verschwinden als das Gesetz wirken könnte.

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2 Kommentare zu “Warum ich Zeitung lese

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