Es gibt doch wichtigeres!

Was mich in den letzten Tagen an der Diskussion um den Doktortitel von Guttenberg richtig genervt hat, war nicht, ob da geschummelt wurde oder wie was. Es war der Kommentar „Es gibt doch wichtigeres!“. Gut. Kein Problem. Schauen wir uns doch mal einen Tag an, an dem es „Wichtigeres“ gibt.

Morgens. Aufstehen. In’s Bad, Zähne putzen. Das Wasser läuft nicht. Schreien, fluchen, anrufen. Antwort: „Also hören Sie mal, in Afrika haben die Leute überhaupt kein Wasser! Es gibt wichtigeres!“. Gut, dann eben mit Mineralwasser waschen. Dann Frühstück – der Kühlschrank ist leer. Schreien, fluchen, Ehepartner schimpfen. Der: „Also hör mal, es gibt so viel Hunger auf der Welt! Es gibt wichtigeres als dein Frühstück!“.

Zum Auto marschieren. Riesendelle im Blech. An der Scheibe hängt ein Zettel: „Ich bin Ihnen reingefahren. Aber es gibt wichtigeres, zum Beispiel die Benzinpreise!“. Leicht weißglühend in die Straßenbahn, zur Polizei. Zwischendrin wird noch die Geldbörse geklaut. Auf dem Polizeirevier: „Also wirklich, einfache Fahrerflucht und Taschendiebstahl? Es gibt wichtigeres! Melden Sie sich wieder, wenn alle Mordfälle aufgeklärt sind!“.

Voller Wahnsinn zum Büro. Die Tür ist zu. Der Chef sagt: „Sie arbeiten schon so lange bei uns. Und es gibt so viele Arbeitslose. Jetzt wird mal getauscht. Es gibt ja wichtigeres!“.

Leicht nachdenklich zum Arbeitsamt. Der Sachbearbeiter: „Was wollen Sie denn hier? Es gibt Leute, die sind seit Jahren arbeitslos! Die sind viel wichtiger! Kommen Sie in 3 Jahren wieder!“.

Als der Sprücheklopfer zitternd und blutend auf der Straße sitzt, man hat ihn gerade verprügelt und seine Jacke geklaut, da merkt er: Natürlich gibt es wichtigere Dinge auf der Welt. Aber sollte man deswegen die scheinbar unwichtigen Dinge einfach nicht beachten oder totschweigen?

Ich glaube nicht!

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Ein Kommentar zu “Es gibt doch wichtigeres!

  1. 100% ACK. Das Problem mit Guttenberg ist, dass er mit viel Propaganda zum „Volksliebling“ aufgebaut wurde und er schlicht zu teuer war als dass man ihn jetzt fallenlässt.
    Das war gestern schön in der Fragestunde zu sehen, die Gegner von Guttenberg hatten Sachargumente, die Verteidiger versuchten verbal die Gegener zu diffamieren und die Missetat zu verniedlichen.
    Natürlich gibt es wichtigeres als diesen schmierigen Wicht aus dem Amt zu jagen, aber irgendwo muss man ja mal anfangen mit dem Saubermachen. 😉

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