Sprachlos – oder auch nicht

Die neueste Katastrophe hat nicht nur mich betroffen gemacht. Viele Twitterer haben ihre Meinung, ihr Bedauern, ihre Wut, ihre Hilflosigkeit in die Timeline geschrieben. Mir persönlich fehlten die Worte, deshalb hab ich es gelassen. Was ich aber nun wirklich nicht verstehe: Wenn man andere Twitterer angreift.

Ich kann eine andere Meinung haben als der andere, ich kann User X als Vollpfosten sehen, die Aussage von User Y für vollkommenen Schwachsinn halten. Alles kein Problem. Aber ich frage mich: Warum folgt denn der User A dem User X und dem User Y, wenn er deren Aussagen nicht lesen will? Wenn ich einem anderem User folge, dann ist das eine bewusste Entscheidung gewesen. Die „Followers“ hüpfen ja nicht von alleine in die Timeline (ausser, sie werden von anderen retweetet).

Ich folge (manchmal) Menschen, die eine vollkommen andere Meinung haben. Warum? Weil ich nicht der Meinung bin, das meine Meinung die richtige ist. Weil ich andere Sichtweisen lesen will. Weil ich ständig meine eigenen Meinungen überprüfe. Und auch, weil ich zu Milliarden Dingen schlicht noch keinerlei Meinung habe. Und das besondere: Wenn jemand seine Meinung schreibt, stelle ich manchmal zu meiner Überraschung fest: Ich habe die genau entgegengesetzte Meinung. Was mir aber bisher noch nicht bewusst war. Was mir aber hilft, mir meine Meinung zu bilden.

Diskutieren auf Twitter ist toll, Quatsch reden auch, Unterhaltungstweets lesen ist immer lustig (wenn nicht gerade was Hochgeht). Streiten ist interessant, Meinungsaustausch willkommen. Aber andere Menschen persönlich angreifen, weil sie Ihre Wut, ihre Angst, ihre Hilflosigkeit in 140 Zeichen packen, das ist für mich vollkommen daneben. Hart diskutieren ja, persönlich angreifen: Niemals!

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4 Kommentare zu “Sprachlos – oder auch nicht

  1. Pingback: Statt Eigenleistung: Zweitverwertung at apropos garnix

  2. Mir geht der Betroffenheitswettbewerb und die Hysterie dort momentan derart auf den Zeiger, daß ich Twitter nur noch für die Beantwortung von DMs öffne. Man wird ja schon blöd angemacht, wenn man es wagt, über Alltägliches zu twittern und nicht in Krokodilstränen zu zerfließen. Meine Güte…

    Sobald die Mehrheit meiner Timeline sich nächste Woche langsam wieder eingekriegt hat (denn viel länger halten die Wenigsten diesen Empörungsmarathon überhaupt durch), stecke ich mal wieder meine Nase in die TL. Auch ’ne Lösung. 😉

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