Glaubwürdigkeits-Falle

Nachdem in Japan die Reaktoren hochgegangen sind, wurden alle deutsche Politiker auf einen Schlag Atomkraft-Gegner. Frau Merkel, die bisher der Meinung war, Kernenergie wäre eine unverzichtbare (!) Brückentechnologie, setzt eine Ethik-Kommision ein. Dieser Arbeitskreis soll die Radioaktivitäts-Produzenten überprüfen.

Also meiner Meinung nach ist die Tatsache, das wir Atommüll produzieren, die den nächsten tausend Generationen Probleme bereiten werden, schon mal komplett unethisch. Davon abgesehen sollte man vielleicht die Reaktorsicherheit von Physikern und Ingenieuren beurteilen lassen, nicht unbedingt von Pfarrern. Aber wahrscheinlich findet man keine „neutrale“ Menschen mehr bei diesem Thema. Das ist aber nur ein Teil des Problems.

Mein Problem mit der wirbelnden Kehrtwende der Politik: Kann man oder ich noch jemals einer Aussage der Politiker oder der Regierung glauben? Nicht, das ich mich nicht heimlich freuen würde, das der Weg zu den alternativen Energien geht. Also freuen würde, wenn nicht diese unfassbare Katastrophe notwendig gewesen wäre.

Wenn ich sehe, wie ein bayrischer Umweltminister, der „gestern“ noch ein Pro-AKWler war, heute einen Wettstreit um die alternativen Energien ausruft, dann glaube ich Ihm kein Wort.

Genau das ist das generelle Problem der Politik: Keiner glaubt mehr an das, was heute gesagt wird. Denn Morgen ist vielleicht schon wieder alles anders. Nicht, das man nicht auch mal einen Kurswechsel mittragen könnte, wenn es gewichtige Gründe geben würde. Aber genau die Argumente, die jetzt von der Regierung in München und Berlin hinausgeblasen werden, sind seit Jahrzehnten bekannt. Für genau diese Argumente hielten die Demonstranten ihren Kopf hin und wurden verprügelt, mit Wasserwerfern verletzt, als Spinner abgetan.

Und genau jetzt ist die Politik meiner Meinung nach in der Falle. Was gestern teilweise noch als alternativlos verkauft wurde, ist heute schon nicht mehr wahr. Heute ist meine Meinung eine ganz andere. Heute interessiert mich mein Geschwätz von gestern nicht mehr. Und genau deswegen gibt es bei mir eine massive Politiker-Verdrossenheit. Wohlgemerkt: Keine Politik-Verdrossenheit.

Wenn ich eine Überzeugung habe, dann muss ich dazu stehen. Wenn ich Law-and-Order vertrete, dann sollte ich kein Steuerhinterzieher oder Partei-Spenden-Betrüger sein. Wenn ich dafür stehe, das ich Unternehmen und Unternehmern die Steuern senken will, dann sollte ich nach ein paar Monaten und einigen Wahlen nicht alles wieder rückgängig machen wollen. Wenn ich das Wort Sozial im Parteinamen führe, dann sollte ich nicht Hartz IV einführen. Und wenn ich als (ehemaliger) Alternativer und Umweltschützer auftrete, dann sollte ich nicht Kohlekraftwerke genehmigen.

Das alles hat mir in den letzten Jahren gezeigt, das das derzeitige Politik-Personal mehr oder weniger eine Gruppe von Macht-Nutten ist. Für etwas Regierungsbeteiligung werden alle Grundsätze verraten. Eine verlorene Wahl ändert die komplette Marschrichtung. Eine schlechte Umfrage bewirkt, das man auf den Koalitionspartner eindrischt.

Der Grund für diesen Artikel: Ich habe genug von Politikern, die ihr Fähnchen in den Wind hängen. Wenn ich mich auf einen Politiker verlassen kann, dann kann ich mich bei der nächsten Wahl danach richten. Heute weiß ich nur noch, das mich jeder Politiker belügen wird, wenn es ihm opportun erscheint. Nicht unbedingt etwas neues (Müntefering: „Man darf uns nicht nach den Wahlversprechen beurteilen. Das wäre unfair.“), aber inzwischen glaube ich diesen Leuten kein Wort mehr. Was mich natürlich bei einer Wahl vollkommen ratlos sein lässt.

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