Lebenslanges Lernen

Ich bin beruflich Programmierer- heute nennt man das Software-Entwickler oder so ähnlich. Als ich das erste Mal mit einer Art Computer in Kontakt kam – das war 1978 – gab es sowas wie Bildschirme oder Betriebssysteme überhaupt nicht.

Seit diesem Kontakt mit einem programmierbaren Gerät habe ich praktisch ununterbrochen gelernt. Natürlich gab es jahrelange Pausen im Lernen, wenn einfach das gelernte angewendet wurde. Aber so nebenbei lernt man immer wieder neue Tricks, neue Methoden, neue Designs, neue Möglichkeiten, ein Problem auch mal anders zu lösen. Man lernt in kleinen und großen Projekten zusammenzuarbeiten, Projekte zu leiten und umzusetzen.

Die letzten paar Wochen waren in dieser Beziehung mal wieder etwas härter. Ich durfte zwei mal fünf Tage auf Kurs gehen. Dort hat man versucht, mir die Programmiersprache C# und das DotNet-Framework etwas näher zu bringen. Ich sage extra nicht „beizubringen“. Weil der letzte Satz des Referenten war: „Sie kennen jetzt etwa 3 Prozent des Frameworks. Viel Spaß mit dem Rest“. Aha. Nach zwei Wochen Gehirnakrobatik hab ich noch 97% vor mir. Es gibt in diesem Framework etwa 14.000 Klassen (wäre wohl am besten mit „Befehlen in Word“ zu vergleichen). Und am Ende des Jahres kommen noch etwa 4.500 neue dazu.

Als ich in der Ausbildung damals die Programmiersprache COBOL lernte, da war ein Kurs von 1 Woche und etwa 5 Wochen „Arbeit am Gerät“ ausreichend. Heute reicht diese Zeit nicht mal mehr, um die Überschriften der Beschreibungen zu lesen.

Ich habe schon immer gerne was „Neues“ gemacht. Aber inzwischen wird mein Geist immer ein wenig träger, wehrt sich ein wenig mehr, etwas neues aufzunehmen. Denn das alte, das man früher mal gelernt hat, darf man ja nicht einfach so vergessen. Weil ja schon übermorgen wieder ein entsprechender Auftrag auf dem Tisch liegen kann. Die alten Großrechner von früher, die laufen auch heute noch. Etwas schneller, aber noch mit den alten Sprachen. Einfach mal ein wenig spezialisieren ist da nicht leicht möglich, weil die Systeme von „gestern“ weiterhin mit den tollen, neuen Programmen von „heute“ zusammenarbeiten müssen und werden.

 

Manchmal bin ich einfach erschöpft. Geistig und dann auch körperlich. Manchmal freue ich mich, das heute sehr viel sehr viel einfacher zu machen ist. Manchmal ist es so, das die Ansprüche an mich schnell steigen, ich aber nicht mehr so schnell und dynamisch reagieren kann. Oder vielleicht auch will.

Zur Zeit ist es sehr interessant, die Möglichkeiten von Mensch und Maschine neu zu erforschen und die neuen Möglichkeiten auszunutzen. Manchmal spüre ich aber auch, das lebenslanges Lernen auch bedeutet, immer wieder große geistige Anstrengungen zu erbringen.

Und das es eigentlich ja schon als normal angesehen wird, das man da jederzeit in allen aktuellen Themen und Techniken fit ist.

Meine Mutter ist da etwas selektiver. Schnurloses Telefon: Ok, dann liegt das Kabel nicht rum. DVD-Player: Ok, da kommt dann ab und zu ein schöner Film im Fernseher. Computer: Was soll ich damit? Kocht der mir ne Suppe? Bleib mir weg mit dem Zeug!

Vielleicht sollte ich mir ab und zu auch mal diese Frage stellen. Muss ich alles Wissen? Muss ich jeden Tag hunderte Nachrichten lesen? Muss ich wirklich lesen, was hunderte andere auf Twitter schreiben? Oder ist es nicht mal genug, einen Abend mit einem Buch zu verbringen?

Mal sehen.

 

 

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