Weg

Gerade eben hat mich Echo, das Krätzchen, an der Hand genommen und für eine halbe Stunde nach Zamonien entführt. Ich war dort, in der seltsamen Stadt. Am Rande des großen Waldes. Und bin wieder zurückgekommen.

Dieses Mal noch.

Irgendwann bleibe ich fort. In einer Welt, in der es nur die Wahrheit gibt. In einer Welt ohne Märchen, aber mit Geschichten, die wirklich erlebt wurden. In einer Welt, in der es keine Masken gibt. In einer Welt, in der sich der Weisse nicht über den Schwarzen erhebt, weil er sonst vom Blauen und vom Grünen ein paar aufs Maul bekommt. In einer Welt, in der man den Schmerz haben muß. Weil man ihn nicht verbergen kann. In einer Welt, in der man nicht höflich sein kann, weil man die Wahrheit sagt. In einer Welt, in der man weder Glück noch Trauer vor dem anderen verbergen kann.

In dieser Welt sollte jeder seinen persönlichen Zauberspruch haben, wie in Xanth. Meiner ist das Verschwinden in andere Welten. Immer wieder. Wenn du neben mir sitzt und deine Geschichte erzählst, dann bin ich in deiner Welt. Die nicht mehr meine ist. Und doch komme ich immer wieder in meine Welt zurück. Weil in jeder Welt, in der ich bisher war, die Lüge lebt. Masken, Geschichten, die verborgenen Gefühle. Die Angst, das jemand in das Innere sehen kann. Die Scham davor, das dort etwas sein könnte, das ein anderer verurteilen könnte. Und das, obwohl es in jedem unterschiedlich und doch gleich aussieht. Keiner hat das Recht, andere zu verurteilen. Nur der, der perfekt ist, könnte das. Und noch nie war jemand ohne Schuld. Und doch baut jeder Mauern um sich auf. Mauern der Scham, Mauern der Angst. Abwehrmauern, um sich vor dem Urteil des anderen zu schützen. Um sich selbst vor Verletzungen zu schützen. Um sich vor Dingen zu schützen, die man nicht tut. Um, vermeintlich, den anderen zu schützen.

Meine Gedanken schweifen so oft ab. Sie wissen, das diese kleine Kugel aus Dreck nicht der richtige Ort für einen unglücklich Verliebten ist. Für einen, der verliebt war. Für einen, der immer wieder zerbrochen wurde. Dessen Seele vernarbt ist, verwundet durch andere und sich selbst.

Selbst wenn ich programmiere versetze ich mich in die Lage des Programms. Und des Benutzers, der es irgendwann verwendet. Und des Kollegen, der es irgendwann liest.

Irgendwann bleibe ich in einer anderen Welt. Freiwillig oder unfreiwillig. Vielleicht sind die 10 Billionen Atome dann noch funktionsfähig, vielleicht auch nicht. Aber das ist mir dann auch egal. Ich, ich bin dann weg.

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