Veränderung

Ich „darf“ mich beruflich minimal verändern. Das ist an sich nicht verkehrt, besonders wenn man einen Job hat, der alle 5-10 Jahre komplett umgekrempelt wird.

Als Programmierer bin ich es eigentlich gewöhnt, immer wieder neue Dinge von Grund auf zu lernen. Also wird man alle paar Jahre vom „Meister“ wieder zum „Lehrling“. Ist nicht unbedingt verkehrt, aber extrem anstrengend. Es gibt zwar viel grundlegendes Know-How, das man immer behalten und gebrauchen wird, aber eine neue Programmiersprache mit etwa 14.000 Vokabeln lernt sich nicht von heute auf morgen.

Ein kleiner Blick zurück.

Im Jahr 1995 (also schon recht lange zurück) kam jemand auf die Idee, in der Firma ein kleines Info-System zu bauen. Da sollten ein paar Summary-Werte für Führungskräfte drin stehen. Das Teil wuchs und gedieh. Teilweise waren 8 Leute beschäftigt, da was aufzubauen. Eine Zeit lang war ich da auch der „Obermacker“, der die Kollegen eingearbeitet hat. Vormittags 5 Kollegen eingearbeitet und betreut, nachmittags meinen eigenen Job noch dazu erledigt. Immer wieder kamen neue Leute für ein paar Jahre, die betreut werden mussten.

Inzwischen ist das System sehr, sehr stark gewachsen. Monatlich werden viele Auswertungen erstellt, die Nutzerzahl ist auf etwa 700 gestiegen. Und es läuft schnell und rund. Die Erstellung der Auswertungen dauert etwa 8 Stunden. Das klingt viel. Allerdings war es früher wesentlich mehr, bei weniger Auswertungen. Es war viel, viel Arbeit nötig, alles so auf die Reihe zu bekommen.

Und irgendwann war es soweit. An das System wurden keine neuen Anforderungen gestellt. „Passt alles, alles läuft rund“. Inzwischen war ein zweiter Kollege eingearbeitet. Und plötzlich war für zwei Leute nicht genug Arbeit da.
Also wurde ich „ausgeliehen“. Nur zur Nachbar-Abteilung, aber in ein komplett anderes Arbeitsumfeld. Neue Programmier-Sprache, neue Anforderungen. Zwischendrin gab es immer wieder einen jährlichen Arbeitsanfall im alten System, da hab ich wieder mit gearbeitet. Das ist jetzt auch vorbei, ein Mitarbeiter reicht völlig aus.

Im Prinzip habe ich jahrelang darauf hin gearbeitet, mich überflüssig zu machen. Alles wurde optimiert, vereinfacht, leichter gemacht. Und dann ist der Punkt erreicht, an dem man mich nicht mehr braucht. Bums.

Jetzt wird sich mancher denken „Was jammert der da rum?“. Naja, es war „mein“ System. Ich habe es vom leeren Blatt weg geschaffen. Ich habe es aufgebaut. Ich habe jahrelang daran gearbeitet. Ich kannte jeden Buchstaben jedes Programms. Jede Funktion. Fast alles habe ich selbst gebaut.

Also hat mich mein aktueller Vorgesetzter dezent darauf hingewiesen, das nicht mehr genug Arbeit für zwei Leute da ist. Und nachdem ich in der Nachbar-Abteilung ja schon so viel „ausgeholfen“ habe, und die Leute da recht zufrieden mit mir und meiner Arbeit waren, wäre es doch besser, komplett dorthin zu wechseln.

Nun ist es ja so: Wenn ich das gewollt hätte, dann hätte ich das in den letzten 20 Jahren jeden Tag tun können. Hab ich aber nicht.

Also gut, dann wechsle ich eben in die neue Abteilung. Neue Aufgaben, neue Programme, neues Umfeld. Viel lernen, viel Anstrengung. Neue Kollegen, neue Vorgesetzte. Für jemanden, der Veränderungen nicht all zu sehr schätzt, nicht unbedingt lustig. Aber was soll ich machen, mir bleibt wohl nichts anderes übrig.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s