Internet der Dinge

Heute hab ich mal wieder einen Artikel in der Zeitung gefunden, der sich mit dem „Internet der Dinge“ beschäftigt.

Und ich habe, wie immer, leicht gelächelt und den Kopf geschüttelt.

Zur Vorgeschichte – also bevor es Internet gab.

Es waren ein paar Schüler, die eine tolle Idee hatten. Sie wollten einen einfachen Aufkleber verkaufen, die eine Unterbrechung der Kühlkette bei Lebensmitteln nachweisen könnte. Im Prinzip eine Art Eiswürfel, der beim Auftauen die Farbe wechselt. Bleibt der Aufkleber grün, dann ist das Essen seit dem Aufbringen des Aufklebers nicht warm geworden. Haben Sie schon so ein Ding im Handel entdeckt? Nein? Komisch? Naja, wenn ein Supermarkt angetaute Lebensmittel vernichten müsste, und für den Nachweis dieses Antauens auch noch bezahlen soll, dann lässt man das doch lieber. Die gesamte Kette vom Hersteller bis zum Verkäufer würde einerseits für den Aufkleber bezahlen müssen als auch angetaute Lebensmittel vernichten müssen, weil unverkäuflich. Die Hersteller und Verkäufer, die gerne mal abgelaufenes Hackfleisch neu verpacken und mit einem neuen Haltbarkeitsdatum versehen. Die Hersteller und Verkäufer, die auch gerne mal verdorbene Erdbeeren in das Essen von Schulkindern rühren.

Das Internet der Dinge soll für praktisch jedes Gut den Standort kennen.

Kleines Beispiel gefällig? Ich habe mal ein flexibles Wasserbecken im Internet bestellt. Das Ding war einerseits etwas sperrig und andererseits etwas schwer. Also wurde vom Absender eine kleine Spedition beauftragt. Der erste Lieferversuch schlug fehl, weil ich schlicht nicht zu Hause war. Der zweite angeblich auch. Sagte die Spedition. Bei der Nachfrage war dann das Paket überhautpt nicht in der Spedition vorhanden. Als ich mitteilte, das nur bis Erdgeschoss geliefert werden muß, da tauchte das Paket überraschenderweise und auf mystische Weise wieder auf und wurde geliefert.

Man stelle sich nun vor, ich hätte jederzeit feststellen können, wo mein Paket ist. Und hätte dem Hersteller gesteckt, das die Spedition hier einen auf blöd macht. Wäre wohl nicht sonderlich lustig für die Spedition geworden.

Jetzt gibt es Paket-Dienste, die eine Paket-Verfolgung anbieten. Kann ich auch noch ein Geschichtchen aus der Vergangenheit anbringen. Die Weihnachtsgeschenke wurden damals bei Quelle bestellt und von der Post geliefert. Dummerweise waren zur Weihnachtszeit wegen der Masse der Pakete viele Aushilfen beschäftigt. Und es kam, ab und zu, auch mal ein Paket einfach weg. Macht sehr viel Spaß, wenn am Weihnachtsabend die Geschenke nicht da sind. Das Problem des „Verschwinden“ des Paketes ist inzwischen scheinbar halbwegs gelöst. Aber nicht, damit ich als Kunde froh und glücklich bin. Sondern damit man unterbezahlte Paketboten lückenlos kontrollieren kann.

Jetzt stellen wir uns das Internet der Dinge vor. Jedes Paket hat einen eindeutigen Namen, kennt seinen Zielort. Das Paket hat auch Sensoren, die Temperatur oder Erschütterungen messen und aufzeichnen. Und immer, wenn das Paket einen Punkt mit „Abtaster“ passiert, meldet es Ort und Zustand an den Lieferanten und den Kunden. Der Laster steht im Stau, das Kühlgerät fällt aus. Die Ladung wird warm. Der Laster wird repariert und liefert aus. Der Kunde, ein Endkunde oder ein Wiederverkäufer, prüft die Daten der Pakete und verweigert die Annahme. Und schon hat der Speditionsfahrer den Schaden. Bums. Ein Container tiefgefrorener Erdbeeren wird mit dem Schiff von China nach Deutschland geschippert. Auf der Fahrt fällt ein Kühlgerät aus. Der Kunde verweigert die Annahme der Erdbeeren. Der Spediteur bleibt auf dem Schaden sitzen. Bums.

Und jetzt fragen Sie sich mal ganz entspannt: Werden die Spediteure und Lebensmittelketten das bezahlen? Also sowohl die Etiketten, die Lesegeräte als auch die Verluste? Weil wir als Kunden dann so richtig glücklich sind?

 

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