Spenden – ja oder nein?

Wer soll was an wen Spenden?

Der Entwurf des Artikels ist ja schon zwei Jahre alt. Allerdings hat sich die Aufregung um den damaligen Spendenaufruf wieder gelegt. Also gammelte das Thema im Entwurfsordner rum.

Aber in letzter Zeit gab es wieder ein paar Spendenaufrufe auf oder über Twitter. Und darüber will ich meine Meinung loswerden.

Vorab: Ich habe schon einigen Leuten Geld geliehen. Wobei ich inzwischen, nach einigen sehr schlechten Erfahrungen, das hergebe, was ich nicht selber brauche. Weil ich inzwischen nicht wirklich damit rechne, das Geld in absehbarer Zeit wieder zurück zu bekommen. Einiges geb ich auch einfach so her, weil ich in der komfortablen Lage bin, ein paar Hunderter nicht zu vermissen.  Ich sehe das alles als Spende, das über mein Spendenbudget läuft. Das ist im Jahr so ein halber Netto-Monatslohn.

Viele kennen jemanden, der mal knapp bei Kasse ist. Oder der akut echte Hilfe braucht. Bei kleineren Sachen kann mal eben was zustecken, wenn man selber genug hat. Größere Sachen, wie die Reparatur des Autos, sind dann schon etwas kritischer. Aber gut, irgendwas ergibt sich manchmal. Man frägt weiter rum, ob sich noch jemand beteiligt. Manchmal geht es, manchmal geht es nicht.

Neu (naja, so neu nun auch wieder nicht, der Entwurf ist von 2011) ist die Methode, über Twitter und Blog zu Spenden oder Unterstützung aufzurufen und um Geld zu bitten. Für Nähmaschinen, für ein Haus, für alles Mögliches. Wer in den Sozialen Netzen aktiv ist, hat bestimmt schon den einen oder anderen Aufruf mitbekommen.

So weit, so gut. Oder eher gar nicht gut.

Wenn jemand so einen Aufruf für sich oder andere startet, der kann sicher sein, das über ihn oder sie ein Shitstorm hereinbricht. Und genau das geht mir auf den Senkel. Extrem auf den Senkel.

Jeden Tag laufen im Fernsehen Werbespots, die um Spenden für Nordchinesische Straßenhunde oder Westfälische Tanzbären bitten. Ja nun, wem das wichtig ist, der soll Geld dafür geben. Flutopfer – ja, da kann man ein paar Mark geben. Alles kein Problem. Wenn jemand es für sinnvoll hält – soll er was geben. Die anderen sehen darüber hinweg und fertig.

Nicht aber auf  Twitter. Da bricht sofort die globale Empörung los. Die Unterstellung, das der Aufruf ein krimineller Betrug wäre, ist noch einer der netteren Kommentare. Sofort sind dutzende Leute da, die Tag für Tag belanglosen Unfug schreiben, hier aber sofort sagen: Hier, für dieses und jenes und dies und das – dafür zu spenden wäre doch viel besser.

Liebe Leute: Wenn ihr meint, ihr habt den besseren, schöneren, bedürftigeren, noch mehr notleidenden Empfänger – macht ein Blog auf. Schreibt eine Kontonummer rein, schreibt rein, warum, wieso, weshalb der, die, das unbedingt Geld bekommen sollte. Twittert jeden Tag zehn mal einen Link dahin – alles kein Problem. Alles wunderbar. Aber hört auf, über diejenigen her zuziehen, die sich hinsetzen und was tun. Die, wissend um den kommenden Shitstorm, der wirklich brutal ist, einen Beitrag schreiben. Die selber Zeit und auch Geld einsetzen, um jemanden oder etwas, das ihnen persönlich wichtig ist, aus einer Notlage zu helfen oder zu unterstützen.

Wenn ihr meint, jemand oder etwas sollte Spenden erhalten – zahlt was ein. Ruft zur Hilfe auf – egal wo und wie. Aber greift nicht Menschen an, die der Meinung sind, jemand – auch und besonders, wenn ihr denjenigen oder diejenige für vollkommen blöd und nicht bedürftig haltet- Hilfe braucht, um Spenden bittet. Lest drüber weg, schreibt einfach „Find ich blöd“ – alles kein Problem. Aber versucht nicht, Hilfe für Zweck A als vollkommen blödsinnig darzustellen, weil es ja auf der Welt ja noch Zweck B gibt. Das hilft weder A noch B und macht euch nur zu Menschen, die anderen nichts gönnen. Und das sind für mich die miesesten.

So, das musste ich mal los werden.

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Ein Kommentar zu “Spenden – ja oder nein?

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