Evaluation

Ein beliebtes Schlagwort der Selbstoptimierungsbefürworter ist ja „Evaluation“. Die Definition findet sich hier: Evaluation. Man soll nach einiger Zeit mal überprüfen, ob das, was man so macht, so bringt. Ob das neue Programm wirklich einen Nutzen in einer erleichterten Arbeit hat. Ob man mehr wegschaffen kann mit weniger Arbeit. Spart die neue Maschine Strom? Oder, wenn sie mehr Strom verbraucht, bringt sie dann wenigstens mehr Leistung? Verdiene ich mit dieser Mehrleistung mehr, als ich für den zusätzlichen Strom brauche?
Für den Menschen gibt es auch Unmengen von solchen Rezepten. Leere Mailbox, Mails nicht sortieren sondern über die Suche finden, ToDo-Listen, Mindmaps, sowas in der Art. Soll alles Zeit sparen. Aber hat sich schon mal jemand die Mühe einer Evaluation gemacht? Schon mal notiert, was das Verschieben der Mails im Vergleich zum Suchen der Mails kostet? Nein? Ist klar. Jemand will seine tollen Tipps verkaufen. Der will nicht, dass man Zeit hat. Der will Geld mit seinem Buch verdienen.

Jetzt mal einen harten Schwenk: Evaluation der öffentlichen Tätigkeit.
Aktuelles Beispiel aus meiner Gegend: Man baut eine UBahn. Die ist „billig“, weil es Zuschüsse gibt. Das ist an sich eine völlig bekloppte Aussage. Die Gemeinde bzw. Stadt muss weniger selber zahlen, aber es ist nicht billiger. So, jetzt ist die UBahn gebaut. Weil aber dummerweise fast parallel eine Straßenbahn fährt, muss jetzt die Straßenbahnlinie still gelegt werden, weil sich ja ansonsten die UBahn nicht „lohnen“ würde. Was jetzt blöd ist: Vor der Berufsschule war eine Straßenbahn-Haltestelle. Da kamen täglich viele Schüler mit der Straßenbahn. Die UBahn-Haltestelle ist ein ganzes Stück weit weg. Also latschen jetzt einige hundert Schüler morgens und abends zur UBahn, statt direkt mit der Straßenbahn vor die Tür zu fahren. Für wen genau lohnt sich eine um 5 Minuten reduzierte Fahrzeit der UBahn, wenn man dafür 15 Minuten bis zum Ziel laufen muss?

Jetzt zu meinem Lieblingsthema: Politik und Gesetze.

Hat schon mal einer erlebt, dass ein Gesetz evaluiert wird? Ich nicht. Man macht einen „Steuerfreibetrag“. Man kann also, weil man Kinder hat, auf dem Land lebt, eine Autoversicherung hat, einen Teil seines Einkommens von der Besteuerung ausnehmen.

So, jetzt ist die Frage: Wie viel wird da verdeckt ausbezahlt (durch „nicht eingenommen“)? Kann oder will keiner sagen. Wem kommt diese Förderung zugute? Hartz4-Empfänger? Eher nicht, die zahlen keine Steuern. Geringverdiener, 450€-Jobber? Eher auch nicht. Für wen lohnt sich das also? Für Gutverdiener. Je mehr Verdienst, desto höher der Steuersatz desto höher die Einsparung durch den Steuerfreibetrag. Wie viel Geld geht dem Staat dadurch flöten? Will man nicht sagen. Natürlich könnte man die Steuererklärungen durch den Computer jagen und das berechnen lassen. Kein Problem. Aber man will es nicht. Weil dann könnte man ja auf die Idee kommen, die Einnahmeausfälle mal nach Einkommensklassen auszuwerten.

Man macht also ein Gesetz, weil man es machen will. Soweit, so gut. Man kann oder will aber hinterher nicht erklären, wem dieses Gesetz nutzt und was es dem Staat (also Sie, ich, ihr Nachbar) kostet.

Es findet also praktisch keinerlei Evaluation von Gesetzen statt. Man macht sie, aber weder überprüft noch offenbart, was sie wem bringen und was sie kosten.

Ich als Arbeitnehmer werde täglich überprüft, ob ich meine Arbeit mache, und mit welchen Ergebnissen. Ich und meine Arbeit werden jährlich beurteilt. Die Politik und die Gesetze jedoch praktisch nie.

Warum eigentlich nicht? Kann mir das mal jemand erklären?

 

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